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Aller guten Dinge [04/2012]

03/05/2012

…sind ja nunmal bekanntlich Drei – ist mir aber egal, denn ich mach daraus Vier(einhalb). Jeden Monat Dinge die ich hörte, las, sah und lernte. Ab jetzt ohne dreifache Besetzung jeder Kategorie zwecks Zeit- und Platzersparnis – außer es brennt mir mal unter den Fingern. Immer noch ohne Rücksicht auf Meinungen, die von meiner abweichen, Notwendigkeit der verbreiteten Information oder gar das Interesse des potentiellen Lesers. Immer noch ohne Anspruch auf Objektivität oder ähnlichen Quatsch. Immer noch zwischen pseudointellektuellem Kulturgedöns und Schrott; zwischen „leider geil“ und „mehr so semi-super“. Diesmal: April, der klischeefreudigste aller Monate. Er hat nichts besseres zu tun, als das Klischee vom Aprilwetter voll ung ganz zu bestätigen und macht sich damit nicht nur Freunde.

Gehört. Ich liebe Musik. Ich höre jeden Tag Musik. Ich bin ein Musiknerd mit beängstigend viel nutzlosen Wissen. Ergo: diese Kategorie. *** Es gibt nur ein Album, über das ich in diesem Monat schreiben kann, denn es gibt nun einmal auch nur eine beste Band der Welt. Auch andere Bands, deren Alben nicht auch heißen, veröffentlichen in diesem Jahr Alben, aber keines wurde von mir so sehnsüchtig erwartet, herbeigesehnt und auch ein bisschen gefürchtet. Wie klingen die ärzte mit Ende 40, was darf man von einem die ärzte Album im Jahr 2012 – 30 Jahre nach dem ersten Konzert der Band – eigentlich erwarten? Um die Beantwortung dieser Frage noch etwas hinauszuzögern folgen einige Bemerkungen, die nichts mit den Songs auf ‚auch‘ zu tun haben: das Album kommt in sehr schickem Familienspielkartondesign und einigermaßen amüsantem beigelegten die-ärzte-Brettspiel daher und wird durch zwei Videos pro Song (das machte allein fürs Album 32 Videos) auf youtube promotet. In Zeiten von GEMA-Generv und ermüdenden Copyright-Diskussionen ein schönes, sympathisches Zeichen. Aber es hilft alles nicht; sprechen wir über die Musik: es wäre falsch, zu sagen, dass ‚auch‘ ein schlechtes Album ist, weil es einen Haufen Songs beinhaltet, die mir nicht gefallen. Es gibt keine einziges Album dieser Band, auf dem mir jedes Lied gefällt. Auf jedem einzelnen Langspieler befinden sich furchtbare Songs – das war schon immer so. Von der seit jeher sinnlosen Frage danach, ob eine Band , die schon 1984 Popmusik gemacht hat „eigentlich noch Punk“ sei, will ich gar nicht anfangen, denn die beantwortet Farin in ‚Ist das noch Punkrock?‘, einem der besseren neuen Songs, ehrlich und direkt mit: „Ich glaube nicht.“ Daran könnten sich gewisse alte Herren aus Düsseldorf bei Gelegenheit mal eine Scheibe abschneiden. Überhaupt überzeugen die Lieder aus der Feder von Herrn Urlaub auch auf ‚auch‘ am meisten. ‚TCR‘ und ‚M&F‘ sind gelungen Popsongs mit Ohrwurmpotential (& bescheuerten Namen), die einigermaßen unterhaltsame Texte haben, ‚Waldspaziergang mit Folgen‘ überzeugt sowohl durch augenzwinkernden Text und den vollkommen unerwarteten Falsettogesang und ‚Fiasko‘ als einziger, richtig schneller Song gefällt auch irgendwie. Rods Beiträge schwanken zwischen Himmel und Hölle. Während ‚Das finde ich gut‘ und ‚Sohn der Leere‘ zumindest musikalisch überzeugen (die Texte klingen mitunter zu gewollt nachdenklich), sorgen ‚Angekumpelt‘ und ‚Die Hard‘ für nichtssagende Langeweile und ‚Tamagotchi‘ mit der furchtbarsten Textzeile in der 30jährigen Bandgeschichte – „Wir müssen echt mal wieder speaken / Du bist doch mein kleines Küken“ – vor allem für eine große Portion Fremdscham. Am schmerzhaftesten ist jedoch die Erkenntnis, dass sich bei Bela seit Beginn seiner furchtbaren Soloveröffentlichungen keine nennenswerte Verbesserung in Sachen Songwriting getan hat. ‚Bettmagnet‘ oder ‚Das darfst du‘ sind langweilig und textlich vollkommen belanglos – sie könnten genauso von ‚Bingo‘ stammen. Einzig dem relativ lässig vorgetragenen, ironischen Text von ‚Miststück‘ kann ich etwas abgewinnen. Eigentlich erschreckend ist für mich allerdings die Erkenntnis, dass dies angeblich die besten Lieder sein sollen, die die drei Herren innerhalb der letzten 5 (!) Jahre für die ärzte geschrieben haben. Im Gegensatz zu früheren Alben wirkt ‚auch‘ wie die lustlos zusammengestellte Kompilation von drei Einzelkünstlern und während die Lieder musikalisch weitgehend überzeugen können fehlt mir der eine oder andere Song, der wirklich etwas zu sagen hat oder textlich zumindest überrascht. Die mittlerweile routinierte Abfolge ‚Farin-Song, Bela-Song, Rod-Song‘ unterstreicht dabei leider die Tatsache, dass ‚auch‘ ein brutal durchschnittliches Album ist. Beim wiederholten Anhören – denn natürlich habe ich das Album trotz Allem unzählige Male gehört – fällt mir leider auf, wie viele der Lieder ich unwillkürlich überspringe und wäre dies ein Werk von jeder anderen Band, die nicht die ärzte heißt gewesen, dann hätte ich es wohl nach dreimaligem Hören abgeschrieben. Es bleibt zu hoffen, dass die Lust am gemeinsamen Musikmachen bei die ärzte noch nicht völlig verloren ist und eines Tages wieder zum Vorschein kommt. Zwar ist nach der diesjährigen Tour (schon wieder) eine längere Pause angekündigt, aber das Ende ist noch nicht vorbei. Und eines steht ohnehin fest: diese eine Liebe wird nie zu Ende gehen. Auch nach ‚auch‘ nicht.

Gelesen. Ich studiere Europäische Literatur. Erklärung genug? Nein? Okay, ich schreibe unglaublich gern über Bücher, die ich gelesen hab. Nick Hornby macht das schließlich auch und wenn der darf, dann will ich auch. Bäh! *** Vielleicht liegt es daran, dass einer meiner größten Träume darin besteht, mit einem VW-Bus von Kassel nach Feuerland zu fahren – nähere Details zur Reiseroute würden den Rahmen sprengen -, aber ich finde Bücher über große vergangene Entdecker super. Die Entdeckung der Langsamkeit ist ein solches Buch und ich finde, auch Menschen, die meinen seltsamen Traum nicht teilen, sollten es lesen. Sten Nadolny hat es nicht nur geschafft, ein spannendes und unterhaltsames Buch zu schreiben, sondern auch meine Vorurteile gegenüber historischen Romanen zu entkräftigen. Sein Roman über den Nordpolforscher John Franklin ist hervorragend recherchiert und vermittelt sehr gelungen die Atmosphäre des Zeitalters des britischen Empire, der Entdecker und der Schlacht von Trafalgar. In einer Zeit, in der man mithilfe von Google Earth innerhalb von Sekunden alle Ecken der Welt erforschen kann ist es ganz einfach faszinierend, Berichte über Menschen zu lesen, die ihr Leben riskiert haben, um Küstenlinien zu kartographieren und eine Passage durch das Polarmeer zu finden. Aber auch die Beschreibung davon, wie die Mannschaft von John Franklin bei der Rückkehr von einer Expedition zu den nördlichen Eiswüsten Kanadas so ausgehungert ist, dass sie vor Verzweiflung ihre Lederstiefel kauen, bleibt im Gedächtnis. Lange Rede, kurzer Sinn – ein spannendes Buch, das historische Begebenheiten gelungen umdichtet und neuinterpretiert.

Gesehen. Ich bin ein Fuchs. Ich nannte diese Kategorie bewusst nicht „Geschaut“ denn so kann ich im Notfall – wenn ich mal keine aufregenden Filme oder Serien sah – auch schreiben: „Diesen Monat sah ich die zugefrorene Lahn.“ Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss… *** „Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs schaffen es die Nazis mit Hilfe von riesigen Ufos, sogenannten Reichsflugscheiben, die dunkle Seite des Mondes zu besiedeln. Als sie im Jahr 2018 zufällig von einer amerikanischen Mondmission entdeckt werden, sehen sie ihre Zeit gekommen, um wieder nach der Weltherrschaft zu greifen.“ Ein Film über Nazis auf der dunklen Seite des Mondes – das ist so bescheuert, dass es eigentlich nur großartig sein kann. Und was soll ich sagen, tatsächlich ist Iron Sky der beste Film, den ich seit langem im Kino gesehen habe und selten habe ich es erlebt, dass ein Kinopublikum so begeistert und erheitert war. Ich gebe zu, dass man eine solide Portion schwarzen Humor mit ins Kino bringen sollte, aber unter dieser Vorraussetzung kann man den Saal eigentlich nur begeistert verlassen. Der Film beantwortet auf lässigste Art und Weise die Frage „Darf man über Nazis lachen?“ mit „Selbstverständlich“ und macht nebenbei noch deutlich, wie verlogen das politische Geschehen in unserer Zeit eigentlich ist – wohlgemerkt mit Humor anstatt des Zeigefingers von Michael Moore. ‚Iron Sky‘ ist ein massenkompatibler Film, der sympathisch trashig wirkt und dabei schwärzesten Humor und ernsthafte politische Message auf großartige Weise miteinander verknüpft. Für mich bisher der Film des Jahres und das beste Kinoerlebnis seit Ewigkeiten.

Gelernt. Jeden Tag lernt man neue Dinge. Manche sind nützlich, andere vollkommener Unsinn, den kein Mensch braucht. Ich möchte meine Erkenntnisse teilen, schrecke dabei jedoch keinesfalls davor zurück, beide Kategorien zu bedienen. *** Ich versuche jetzt einfach mal, diese Information nüchtern mitzuteilen und hoffe, dass der Leser sich nicht allzu lange mit der Frage aufhält, warum ich über dieses, äh, Phänomen im April nachgedacht und diskutiert habe. Der sogenannte Südkaper ist eine Glattwalart. Dass Wale die größten Säugetiere der Welt sind, ist hinlänglich bekannt und dementsprechend zählen auch ihre einzelnen Körperteile zu den größten und schwersten in der Tierwelt. Auf welches Körperteil ich hinaus will mag sich manch einer schon denken, aber vielleicht sollte ich ganz einfach wikipedia zitieren, um mich mit knallrotem Kopf klammheimlich aus der Affäre zu ziehen: „In der Tierwelt hat der männliche Südkaper die größten Hoden, sie machen mit je 500 kg 2 % des Körpergewichts aus. Bei einem Samenerguss werden bis zu 20 Liter Sperma freigesetzt.“ Eigentlich will ich das garnicht weiter kommentieren, dennoch seien mir drei – im Vergleich zu Walhoden – klitzekleine Kommentare gestattet. 1.) Ich weiß, Prozentrechnung ist nicht einfach, aber rechnen sie das einfach mal mit dem Taschenrechner nach, liebe Herren. 2.) Behalten sie das Ergebnis im Hinterkopf, wenn sie das nächste mal einen gestrandeten Wal im Fernsehehen erblicken. Falls sie den Wunsch verspüren, können sie im Anschluss hier Greenpeace erreichen. 3.) Eier, wir brauchen Eier! Selbst Olli Kahn müsste mit einer Tonne zufrieden sein.

Video des Monats: Eine kleine, aber feine halbe Kategorie. Angucken und toll finden, bitte! *** Das beste Musikvideo, das ich seit langem gesehen habe. Bild und Ton harmonieren ganz wunderbar – so sollen Musikvideos doch eigentlich sein, oder? Viel Spaß mit dem Simple Song von der fantastischen Band The Shins. Ich halte das Video für ein kleines Meisterwerk.

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