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Wie ein Fisch ohne Fahrrad in der Konservendose

04/04/2012

Mit Wut im Bauch sollte man weder Auto fahren, noch Texte schreiben. Das Eine stellt eine Gefährdung des Straßenverkehrs dar. Das Andere führt in erster Linie dazu, dass man wüste Beschimpfungen vom Stapel lässt, sich auf vollkommen subjektive Art und Weise zu persönlichen Beleidigungen hinreißen lässt, unter die Gürtellinie zielt und dabei jegliche Form von Anstand und Erziehung vergisst. All das erwartet den Leser im folgenden Artikel. Eine Gefahr für den Straßenverkehr stellt er allerdings lediglich dar, wenn man ihn beim Autofahren liest.

Schwimmen ist an sich eine fantastische Beschäftigung. Eine Sportart, die nicht nur einen Haufen Muskeln beansprucht, sondern dabei gleichzeitig die Gelenke schont, gegen Rückenschmerzen hilft und eigentlich auch Spaß macht. Ich sage eigentlich. Da mittlerweile mehr als die Hälfte aller Menschen dieser Welt in Städten wohnen ist es den wenigsten Schwimmbegeisterten vergönnt, in unmittelbarer Nähe von natürlichen Gewässern zu wohnen. In einem schwedischen See zu schwimmen ist wunderbar, allerdings nicht gerade praktikabel wenn man in Mittelhessen wohnt. Die Antwort der zivilisierten Menschheit heißt „Schwimmbad“ und hier hört der Spaß auf. Ich hege bereits seit geraumer Zeit den Verdacht, dass Schwimmbäder lediglich erfunden wurden, um den modernen Menschen zu quälen. Einigermaßen passablen Schwimmern, die dem Alltag für eine Stunde entfliehen möchten und ein paar Bahnen ziehen wollen, wird dieser Wunsch verwehrt. Die Schwimmbäder der Welt sind voll von Menschen, die mir ganz persönlich den Spaß am Schwimmen rauben wollen und um meinen Hass auf diese Menschen besser kanalisieren zu können, habe ich Feldstudien betrieben und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass in allen Schwimmbädern lediglich sechs Arten von Menschen vorkommen.

1. Schwimmvereine: In diesem Punkt sollte man mich nicht falsch verstehen. Ich habe nichts gegen Schwimmvereine an sich oder gar gegen ihre Mitglieder. Vermutlich zählen sie zu den wenigen Menschen in den Schwimmbädern dieser Welt, die wirklich gerne schwimmen. Es ist lediglich frustrierend, bereits beim Betreten der Schwimmhalle festzustellen, dass mal wieder nahezu die Hälfte des Beckens abgesperrt ist und man sich demenstsprechend eine noch kleinere Wasserfläche mit dem übrigen Pack aus den anderen fünf Menschengruppen teilen muss, das sich mal wieder dort tummelt. Bereits bevor man überhaupt im Schwimmbecken ist, droht die Lust bereits zu vergehen. Vermutlich ist es einfach der Neid, der aus mir spricht – das Privileg der Schwimmvereine, niemals eine Bahn mit Aquajoggern oder Senioren teilen zu müssen lässt mich vor Neid erblassen. Doch während sich Vereinsmitglieder dieses Privileg wenigstens verdienen, da sie schneller schwimmen als ich es mir je erträumen würde, macht mich die Absperrung für Schulklassen oder ähnliche Gruppen rasend. Womit wir bei der nächsten Gruppe angelangt wären.

2. Kinder: Ich mache keinen Hehl daraus: ich mag Kinder nicht. Sie sind laut, dreckig und oft unsympathisch. Sie halten sich nicht an die einfachsten Regeln, die anderen Menschen das reibungslose Zusammenleben ermöglichen. Während langer Bahnfahrten sorgen sie und ihre antiautoritären Eltern dafür, dass ich nicht dazu komme auch nur eine Seite in meinem Buch ungestört lesen zu können, im Bus krakeelen sie herum und pöbeln Menschen an und im Schwimmbad rennen sie durch die Gegend, springen dir vor den Latz und tauchen mitten im Becken nach bescheuerten Ringen. Sie können von den Bademeistern, die ungefähr so viel Autorität besitzen wie zwölfjährige, pickelige Klassensprecher, nicht einmal ansatzweise in Zaum gehalten werden und terrorisieren so vollkommen ungestört die Schwimmer. Von der angeblichen geringen Geburtenrate der Deutschen habe ich im Schwimmbad leider noch nichts mitbekommen. Vielmehr manifestiert sich hier die Überbevölkerung, verkörpert von unsympathischen Dreckschratzen, die bestenfalls von ihren Eltern geliebt werden können.

3. Aquajogger: „Und am achten Tag sah Gott auf die Erde und musste feststellen, dass die Menschen sie bereits vollkommen zugrundegerichtet hatten. Gott war wütend und wollte die Menschen strafen. So erfand Gott das Aquajogging und fortan waren die Schwimmbäder der Erde bevölkert von Menschen, die sich unfassbar langsam und unathletisch fortbewegten. Sie sollten den Schwimmern dieser Welt von dieser Stunde an grundsätzlich immer im Weg sein und sie damit in den Wahnsinn treiben. Gott freute sich, denn seine Plage war ein voller Erfolg.“ Es ist ja nicht nur die Tatsache, dass Aquajogger kacke aussehen – meistens sind sie ausgerüstet mit seltsamen Westen und Poolnudeln – und mit ihren ausgestreckten Armen so unmenschlich viel Platz beanspruchen, sondern die Tatsache, dass sie sich wirklich einbilden, Sport zu machen. Nicht-Sportarten wie Aqujogging oder das unsägliche Nordic-Walking wären schon schlimm genug, wenn die Menschen, die sie betreiben nicht auch noch grundsätzlich immer jenen im Weg wären, die echten Sportarten nachgehen. So aber muss der Läufer sich seinem natürlichen Feind mit den bescheuerten Stöcken stellen, während man als Schwimmer im Zickzack um Aquajogger kurven muss. Wenigstens kommen diese im Gegensatz zum gehenden Pendant nicht in den typischen Rudeln von verzweifelten Hausfrauen vor, die die Feldwege dieser Republik verstopfen. Ein Wermutstropfen.

4. Walfischfamilien: Ja, man sollte Menschen nicht nach äußerlichen Merkmalen beurteilen. Das ist unangemessen und dumm. Aber warum müssen denn ausgerechnet jene Individuuen, die allein aufgrund ihrer Körperfülle mehr Wasser verdrängen als der gesamte Schwimmverein nebenan, auch noch ihre beleibten Angehörigen mit ins Becken bringen. Meist handelt sich um ein dickes Paar Eltern mit ihrem unsympathischen, fastfoodsüchtigen Nachwuchs, die sich grundsätzlich nebeneinander durchs Becken treiben lassen. Die Tatsache, dass Fett bekanntlich oben schwimmt, ermöglicht es ihnen, auf dem Wasser zu treiben, ohne auch nur einen einzigen Muskel zu aktivieren. Sie blockieren zumeist den gesamten Beckenteil, der sich in unmittelbarer Nähe zur Treppe befindet. Entspannt lassen sie sich einfach treiben und da das Becken sich aufgrund der vollkommenen Überbelegung ohnehin schon von selbst zum Wellenbecken entwickelt hat, kommen sie auf diese Art und Weise auch immer irgendwie auf der anderen Seite der Bahn an – unglaublich langsam versteht sich.

5. Plaudertaschen: Mir fehlen die Ausdrücke um meine Verachtung für diese Gruppe in Worte zu fassen. Sie hängen an den Beckenrändern, als wären sie daran festgewachsen und machen es damit unmöglich, am Ende einer Bahn ohne Umwege abzuschlagen. Sie verharren bis zu einer halben Stunde vollkommen unbeweglich dort und belästigen alle Umstehenden mit ihren vollkommen uninteressanten, lauthals vorgetragenen Geschichten. In unregelmäßigen Zeitabständen schwimmen sie im Schneckentempo von einer Seite des Beckens zur anderen, nur um sich dort festzusaugen und erneut Bewegunslosigkeit zu praktizieren. Oft handelt es sich um Männer mittleren Alters – vermutlich trockene Alkoholiker, die ihren Frauen entgehen wollen, sich aber nicht in der Kneipe treffen können – oder Pärchen von der Sorte, bei der man unweigerlich fragt, ob sich auch ihren Klogang als Gemeinschaftsaktivität ansehen. In den meisten Fällen aber handelt es sich um einen Elternteil – oft der Vater – und sein unsägliches Kind. Sie albern mitunter am Beckenrand rum und sorgen so für weitere Ärgernis. Ich begrüße diese Versuche, den Familienfrieden wiederherzustellen und sehe ein, dass es besser ist als eine Situation, in der das Jugendamt wieder beschämt in der Ecke steht und betont, nichts geahnt zu haben, aber müssen die sich denn ausgerechnet da aussöhnen, wo ich schwimmen will?

6. Aktivsenioren: An sich sind die Senioren die sympathischte Gruppe. Sie sind zwar langsam, aber längst nicht so langsam wie die Aquajogger und treten außerdem für gewöhnlich nicht im Rudel auf, was für sie spricht. Sie sind meist gertenschlank und nehmen kaum Platz weg und halten sich außerdem an sämtliche Regeln, wodurch sie keinem zur Last fallen. Das enzige was mich an ihnen stört ist die Tatsache, dass ich sie gruselig finde. Aktivsenioren sind nicht nur lächerlich fit und können dementsprechend 60 Minuten ununterbrochen ihre langsamen Bahnen ziehen, sondern sehen zu allem Überfluss auch noch alle identisch aus. Es handelt sich dabei zumeist um kleine, magere Männchen mit wenigen bis gar keinen Haaren. Sie sind ausgemergelt, tragen eng anliegende, schwarze Dreiecksbadehosen und haben exakt fünf graue Haare auf ihrer Hühnerbrust. Oftmals kriegt man einen Schreck wenn man auf den Ausgang zuschwimmt und einen Senioren dabei beobachtet, ins Becken zu klettern, der sich in mindesten dreifacher Ausführung genauso schon im Becken befindet und seit einer halben Stunde hin- und herschwimmt.

Am Ende verlässt man völlig entnervt das Becken und ist froh, wenn es gelungen ist, nicht nach der Hälfte vor Verzweiflung und Ärger aufzugeben. Jeder Schwimmbadbesuch wird somit zur Zerreißprobe für den eigenen Geduldsfaden und man muss sich unweigerlich die Frage stellen, ob der sportliche Ehrgeiz groß genug ist, um die riesige Portion Menschenhass zu verkraften, die nach dem Schwimmen entsteht. Vor allen Dingen aber ärgert man sich einmal mehr über den horrenden Preis von 3 Euro – ermäßigt versteht sich; aber die gefühlten 8 Bademeister, die sich grundsätzlich nie aus ihrem Kabuff bewegen und immer am Essen zu sein scheinen, müssen ja auch bezahlt werden – den man bezahlt hat, um sich diesen Wahnsinn schon wieder anzutun.

Aus gegebenem Anlass:

Und jetzt kann ich wieder unter Menschen gehen…


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