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Aller guten Dinge [03/2012]

03/04/2012

…sind ja nunmal bekanntlich Drei. Jeden Monat dreimal Dinge die ich hörte, las, sah und lernte. Ohne Rücksicht auf Meinungen, die von meiner abweichen, Notwendigkeit der verbreiteten Information oder gar das Interesse des potentiellen Lesers. Ohne Anspruch auf Objektivität oder ähnlichen Quatsch. Zwischen pseudointellektuellem Kulturgedöns und Schrott. Zwischen „leider geil“ und „mehr so semi-super“. Diesmal: März – der Monat, in dem mehr Menschen in meinem Umfeld Geburtstag haben, als mein Geldbeutel verträgt. Der Monat in dem man in den Urlaub fährt und nachts frierend aufwacht, nur um dann nach Hause zurückzukommen und festzustellen, dass daheim in der Zwischenzeit der Sommer ausgebrochen ist.

Gehört. Ich liebe Musik. Ich höre jeden Tag Musik. Ich bin ein Musiknerd mit beängstigend viel nutzlosen Wissen. Ergo: diese Kategorie. *** „Es war ein Fehler, uns ewige Treue zu schwören / Denn es gibt besseres zu tun, als die die ärzte zu hören.“ Einmal mehr gelingt es dieser Band, der ich seit nunmehr gut einem Jahrzehnt die Treue halte, mit der gewohnten Portion Selbstironie und Augenzwinkern trotzdem, den Nagel genau auf den Kopf zu treffen. Oder um es mit ihren eigenen Worten zu sagen: „Sie sind Die Beste Band der Welt und sie sind wieder da. Mit einem Song für und über Fans. Mit Badubadubadu und Lalalala. Mit einem Refrain, der sich ganz fies im Ohr festsetzt.“ Und da ich eben zu jener Sorte Menschen gehöre, die leider wirklich nichts besseres zu tun haben, rannte ich am 2. März, am Tag nach der Videopremiere der neuen Single ZeiDverschwÄndung, die ich noch nicht einmal besonders toll fand, in den Plattenladen, zahlte willig einen viel zu hohen Preis für eine EP mit 4 Songs und war trotzdem selig. Der kleine Laden, in dem ich die CD erstand, da man sie bei der fiesen geizgeilen Konkurrenz vergeblich suchte, war übrigens nahezu leer. Wer errät, was für einen Tonträger die einzige andere Kundin erwarb, gewinnt 10 Gummipunkte. Ich schmunzelte und dachte an den Pullover, den ich mit 13 gerne trug. „Ich bin nicht allein. Ich bin die ärzte Fan“ stand drauf. Um wenigstens ein paar Worte zu den neuen Songs zu verlieren: der Titelsong muss mehrfach gehört werden, um zu gefallen, wirkt zunächst ein bisschen lahm und unspektakulär, hat aber tatsächlich im Refrain äußerst fiesen Ohrwurmcharakter. Farins Beitrag ‚Mutig‘ klingt gewohnt rockig und auf den Punkt, aber ein bisschen zu sehr wie 20 andere Songs aus seiner Feder, während Rods ‚Quadrophenia‘ für eine positive Überraschung bei mir sorgte. Im Ganzen kommt die EP eher mittelmäßig daher, aber das stört den Fan, der seit 5 Jahren nach neuem Material gedürstet hat, ja eigentlich nur geringfügig. Ich jedenfalls freue mich schon wie Bolle auf das Album, das im April erscheint. Es gibt eben auch schlechteres zu tun, als die ärzte zu hören. *** Während Musik für mich im Alltag bereits eine wichtige Rolle spielt, so ist diese im Urlaub noch wichtiger. Wenn man den ganzen Tag damit verbringt, im Auto zu sitzen und durch die Gegend zu fahren, dann ist eine ordentliche Beschallung das A und O. Eine tolle Landschaft braucht auch einen angemessen Soundtrack und dieser muss freilich passend sein. Jeder Roadtrip braucht daher seine eigene Hymne und diese findet sich in der Regel im Lauf des Urlaubs von selbst. Bei unserem Trip durch die Niederlande in diesem Monat mauserten sich Peter Bjorn and John mit ihrem großartigen Song Amsterdam auf den Platz der inoffiziellen Urlaubshymne. Ich würde dieses Lied gerne teilen, kann dies aber dank der Gema nur in Form einer schrottigen Liveversion tun. „Dieses Lied ist leider nicht verfügbar in ihrem Land / Unsere Antwort kennt ihr sicher, sie heißt Widerstand“ um noch einmal auf Deichkind zurückzukommen. Die Erinnerung an Amsterdam kann mir die Gema jedenfalls nicht wegnehmen. „Still I was way, way out of line / Amsterdam was stuck in my mind.“ *** Genauso wie im Urlaub ist auch beim Lesen die richtige Beschallung enorm wichtig, besonders wenn man so viel Zeit damit verbringt, Bücher zu lesen, wie ich es im Moment unibedingt tue. Dass ich bei der Lektüre von Romanen, die im österreich-ungarischen Kaiserreich spielen, nicht unbedingt K.I.Z. oder Deichkind hören möchte, liegt nicht ausschließlich daran, dass ich mich bei deutschsprachiger Musik nicht aufs Lesen konzentrieren kann. Kurzum: die richtige Musik ist wichtig. Gut also, wenn man auf eine wohlgefüllte und abwechslungsreiche iTunes-Bibliothek zurückgreifen und dabei Perlen wie Beirut hervorholen kann. Wenn die Hörner rumpeln, die Mandoline fröhlich klimpert und Zach Condon anfängt mehr zu jaulen als zu singen, dann fühlt man sich direkt in die osteuröpäische Provinz versetzt. Da ich noch keine Karte habe sage ich es nur ungern, aber die Tatsache, dass diese Band im Juni beim Hurricane und dem Southside spielen wird, ist nur einer von vielen Gründen, die auf der positiven Seite dem stolzen Kartenpreis auf der Negativseite der Argumenteliste gegenüberstehen.

Gelesen. Ich studiere Europäische Literatur. Erklärung genug? Nein? Okay, ich schreibe unglaublich gern über Bücher, die ich gelesen hab. Auch wenns niemand juckt! *** Um es kurz zu machen, da die anderen Teile einmal mehr bereits viel zu lang geraten sind, sage ich vorab: Ich habe diesen Monat drei sehr gute Romane gelesen. Der Idiot von Fjodor M. Dostojewski ist von diesen Romanen derjenige, der am meisten Zeit beansprucht hat. Es ist ein äußerst gelungenes Werk, allerdings eines, auf das man sich einlassen muss, das sich nur schwer mal eben nebenbei – zum Beispiel im Urlaub während der Fahrt – lesen lässt und eine gute Portion Geduld benötigt. Am Ende wird diese Geduld durchaus belohnt, aber es ist ein anstrengendes Leseerlebniss. Entspannung ist anders – allein das Zurechtfinden innerhalb der riesigen Figurenkonstellation, wobei jeder Charakter mehrere Namen hat, die zu allem Überfluss sehr ähnlich sind, forderte mir höchste Konzentration ab. Als Einstieg empfehle ich deshalb ‚Schuld und Sühne‘, das mir persönlich besser gefiel und etwas leichter zugänglich scheint. *** Joseph Roth hingegen, ein Autor den ich durch die Uni entdeckte ist viel leichter zugänglich, doch nicht weniger grßarttig. Sein Roman Hiob lässt sich relativ zügig und leicht lesen, wartet aber trotzdem mit einer gehörigen Portion Qualität auf. Es ist gleichzeitig ein historisches Zeugnis der verlorenen Welt des Judentums in Osteuropa und ein visionäres Buch. Roth schreibt bereits Ende der 1920er Jahre über den zweiten Weltkrieg, als wisse er bereits, was da kommen wird. Beeindruckend. *** Nicht weniger beeindrucken kommt der Radetzkymarsch vom selben Autor daher. Diese Familiengeschichte, die gleichzeitig die Geschichte des Untergangs des österreich-ungarischen Kaiserreichs bezeichnet, ist eine großartige Leseerfahrung. Roth zeigt ein feines Gespür bei der Zeichunung seiner Figuren und verknüpft persönliche Schicksale und Geschichten mit den historischen Geschehnissen des gesamten Reiches. Gleichzeitig trifft er sehr gelungen die Stimmung des nahenden Krieges und der untergehenden Monarchie. Ich habe jedenfalls mehr über das Kaiserreich gelernt als jemals im Geschichtsunterricht und gleichzeitig noch eine großartige fiktive Familiengeschichte miterlebt. Es lohnt sich ungemein dieses vollkommen zu Unrecht viel zu wenig bekannte Buch zu lesen.

Gesehen. Ich bin ein Fuchs. Ich nannte diese Kategorie bewusst nicht „Geschaut“ denn so kann ich im Notfall – wenn ich mal keine aufregenden Filme oder Serien sah – auch schreiben: „Diesen Monat sah ich die zugefrorene Lahn.“ Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss… *** „Ob ich mit dir deutsche Comedy gucke? Äh, ich mach mir gerade ’ne Sonnenblumkernsuppe!“ Normalerweise gilt für sogenannte Comedy aus deutschen Landen ja, dass man sie meiden sollte, insbesonders wenn sie von den Privatsendern des deutschen Fernsehehens produziert wird. Schön ist es da, wenn man auf Serien stößt, die sich aus dieser Masse von unterirrdischem Humor auf angenehme Art und Weise hervorheben. Die Pro7-Produktion Dr. Psycho ist eine dieser schönen Ausnahmen. Die Mischung aus Krimi und Comedy funktioniert weit besser, als sich das zunächst anhört, was nicht zuletzt an der großartigen Leistung von Christian Ullmen liegt. Dieser trifft in der Rolle des Titelhelden genau den schmalen Grad zwischen sympathischer und tatsächlicher Peinlichkeit. Man kann über die Fehltritte von Dr. Max Munzl herzlich lachen und mehr als zwei Folgen schauen, ohne sich so sehr fremdschämen zu müssen, wie es zum Beispiel bei Stromberg oft der Fall ist. Dass diese tolle Serie nach zwei viel zu kurzen Staffeln von Pro 7 aufgrund schwacher Quoten abgesetzt wurde, da sie dem gewöhnlichen Zuschauer dieses Senders nicht gefiel, kann man wohl guten Gewissens als die „Tyrannei der Masse“ bezeichnen. *** Zu einer meiner vielen imaginären, in Englisch verfassten Listen gehört „Major European Cities Left To See“ Auf dieser Liste stand Amsterdam definitiv bisher ganz oben und kann nun seit diesem Monat endlich abgehakt werden. Und mir gefiel durchaus, was ich sah. Ich sah eine lebendige, aufgeweckte Hafenstadt. Eine Stadt, errichtet auf den Grundpfeilern ‚Sex‘ und ‚Drogen‘ möchte man fast sagen. Dass ich mehr Coffeeshops und Pubs als Museen von innen sah mag man verurteilen, aber mir ist das eher wumpe. Die allgemeinen Eindrücke muss ich noch verarbeiten und dann in eine Schublade packen, irgendwo zwischen Paris, Rom und Oslo. Bis dahin kann ich aber zumindest schonmal mein imaginäres Häkchen setzen: ☑ *** Man könnte meinen, dass ein Film mehr Handlung braucht als ein Gespräch zwischen vier Erwachsenen, um interessant zu sein. Tatsächliches Gemetzel steht in der Kinohierarchie vermeintlich über verbalem Gemtzel. Trotzdem wird der neue Roman Polanski-Film Der Gott des Gemetzels über die gesamte Länge von zugegeben kurzen 72 Minuten nicht im geringsten langweilig. Aus einem harmlosen Gespräch über eine Auseinandersetzung zwischen ihren Kindern entwickelt sich ein regelrechter verbaler Krieg zwischen den Protagonisten, von denen vor allen Dingen der großartige Christoph Waltz zu überzeugen weiß. Die Auseinandersetzung geht so weit, dass alle Beteiligten im Lauf der Handlung zu der Erkenntnis kommen, dass dies der schlimmste Tag ihres Lebens sei, während man als Zuschauer gefesselt ist von der Misere, in die sich die Figuren gegenseitig hineinreden. Ein absolut sehenswertes Filmerlebnis, nicht nur dadurch, dass es eine vollkommene Abwechslung von dem ist, was man im Kino gewöhnlich zu sehen bekommt.

Gelernt. Jeden Tag lernt man neue Dinge. Manche sind nützlich, andere vollkommener Unsinn, den kein Mensch braucht. Ich möchte meine Erkenntnisse teilen, schrecke dabei jedoch keinesfalls davor zurück, beide Kategorien zu bedienen. *** Dass mich mit den Wikingern mehr verbindet als mein nordisch anmutender Vorname und die leicht rötliche Färbung meiner Gesichtsbehaarung durfte ich erst in diesem Monat lernen. Diese unerschrockenen Männer machten zu ihren Zeiten die sieben Weltmeere unsicher, stichen wagemutig in See und fürchteten weder Hölle, noch Teufel. Und doch gab es eine Angst, die den Nordmännern des Nachts den Schlaf raubte: Olfrygt – die Angst vor Bierknappheit. Eine Vokabel, so wohlklingend wie bedeutsam. Wie lange treibt auch mich diese Angst bereits um – nie war ich in der Lage sie in Worte zu fassen. Die Wikinger aber schenkten meiner Angst einen Namen, denn auch sie wussten schon: Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist. Die einzige andere Angst, die bei den Wikingern desweiteren bekannt war, ist meines Wissens nach übrigens die Angst davor, dass Hägar der Schreckliche eines Tages lustig werden könnte. **** Dass trotz ‚andere Länder, andere Sitten‘ manche Dinge international Bestand haben ist eigentlich ganz beruhigend. Es ist schön, in den Niederlanden ein Ikea betreten zu können und genau zu wissen, wo man den Hot-Dog Stand findet. Aufregend ist es daher, wenn sich ganz unverhofft eine Erkenntnis wie folgende aufdrängt: Hot-Dogs gibt es in Holland bei Ikea für 50 cent! Wer das unspektakulär findet sollte sich vor Augen führen, dass dies ungefähr 150 % billiger ist als in heimischen Einrichtungshäusern. Meiner Rechnung zufolge versteht sich und ich muss leider gestehen, nicht mehr vollkommen sicher zu sein auf dem Gebiet der Prozentrechnung. Die Dimension dieser Erkenntnis wirkt allerdings exponentiell wenn man sich in die Situation von drei hungrigen, sparsamen und gleichzeitig kochfaulen Urlaubern versetzt. Der Posten „IKEA“ wäre auf meiner Reisekostenaufstellung nicht unbeträchtlich, wenn ich denn eine hätte. *** Mein Mobiltelefon kann an sich nicht besonders viel. Es macht keine Fotos, eignet sich nicht dazu im Internet zu surfen und verfügt lediglich über ein einziges, ganz und gar nicht fesselndes Spiel. Es sieht nicht besinders schick aus und der Wecker funktioniert nur dann, wenn ihm der Sinn danach steht. All das stört micht nicht im Geringsten, da mir solcherlei Schnickschnack relativ egal ist und doch bin ich begeistert von einer Fähigkeit meines Handys, die ich erst in diesem Monat entdeckte. Die Funktion nennt sich falscher Anruf und ist ganz einfach famos. Sie ermöglicht mir, in einem wählbaren Zeitabstand einen vermeintlichen Anruf zu erhalten. Doch nicht nur das! Neben der gewünschten Zeit, nach der der Anruf erfolgen soll, kann ich auch noch eingeben von wem ich meinen Fakeanruf bekomme. Gebe ich nun also den Namen einer Frau und eine dazugehörige ausgedachte Telefonnummer ein, macht mich diese geniale Funktion zum King. Social credibility nennt man das. Wie konnte ich bisher ohne diese Funktion überhaupt zurechtkommen in unserer erbarmungslosen Gesellschaft?

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