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Aller guten Dinge… [01/2012]

05/02/2012

…sind ja nunmal bekanntlich Drei. Wie es der Zufall so will, werde  ich Kultur (oder so) stets zu den guten Dingen zählen und damit nicht genug will es der Zufall weiterhin, dass ich recht gerne meinen Senf abgebe zu Kultur (oder so). Sollte es den ausgefuchsteren Lesern mittlerweile aufgefallen sein, dass hier erstaunlich viele Zufälle am Wirken sind, so bitte ich sie inständig darum, ihren Verdacht für sich zu behalten, ich hätte das hier bewusst eingefädelt, um das Internet nun regelmäßig mit meinem Privatgeschreibe über Musik, Literatur und Film zu beschmieren. Das Internet mit Geschriebenem zu beschmieren finde ich übrigens eine schöne Vorstellung, fast so als wäre das Internet eine große steinerne Mauer, die voll von Graffitis ist. Hier kommen also dann meine ganz persönlichen Tags – wie man auf neudeutsch sagt. Aber von nun an weniger eingestaubte Redensarten, die bestenfalls noch von Germanistikprofessoren bemüht werden, und mehr Kulturgedöns. Mir fiel auf, dass es mir schwerfiel, viel zu schreiben. Daher fiel die Entscheidung, vielleicht eine Vielzahl von Dingen in einem regelmäßig fälligen Zeitabstand fallen zu lassen. Oder: ich schreibe jetzt jeden Monat über 3 Dinge, die ich las, sah, hörte und lernte. Ob das klappt? Vielleicht. Ob das jemand lesen will? Hoffentlich! Ob mich das interessiert? nicht die Bohne! Ob ich es ohnehin tun werde, egal ob das jemand lesen will? Na, aber hallo!

Gehört. Ich liebe Musik. Ich höre jeden Tag Musik. Ich bin ein Musiknerd mit beängstigend viel nutzlosen Wissen. Ergo: diese Kategorie. *** Im Januar ist es ja relativ leicht, sich aus dem Fenster zu lehnen und zu sagen: „Das ist für mich schon jetzt das Album des Jahres.“ Ich mache das nicht. Im Gegenteil. Die erste richtige Studioscheibe von Kraftklub ist zwar ganz nett, aber wird garantiert nicht das Album des Jahres werden. Bei weitem nicht, sogar. Die Platte ist viel zu unkantig und doof produziert und klingt sehr nach der Majorlabelplattwalze. Das klingt wie ein Klischee, aber man kann der Platte wirklich die auf Massenkompatibilität getrimmte Produktion anhören, ohne Scheiß. Auch Songs für Liam klingt auf CD nicht so richtig super, hat mich aber trotzdem verzaubert. Wenn du mich küsst / schreibt Noel wieder Songs für Liam / Kommen unsere Freunde zurück aus Berlin / Wenn du mich küsst / Ist die Welt ein bisschen weniger scheiße. Ich empfehle statt der Studioversion die äußerst sympathische Liveversion bei tape.tv. Sympathisch auch folgende Textzeile: Vieles wäre nie passiert / Dinge, die vermeidbar sind / Dann gäb es keinen einzigen romantischen Till Schweiger Film. *** Als Album ingesamt schon stimmiger ist die neue Scheibe von Marsimoto. Wer deutschen Hip-Hop mag und sich von einer per Computer hochgepitchten Stimme nicht allzusehr stören lässt, kann hiermit sehr viel Spaß haben. Intelligente Texte mit unfassbar vielen intertextuellen Anspielungen in sämtliche Richtungen treffen auf entspannte Beats und eingängige Melodien. Endlich wird wieder geraucht / Komm schon, Marsi gibt einen aus / Grüner Rauch zieht übers Land / Grüner Samt. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Anspieltipps: Grüner Samt, Angst, Für Uwe. *** Zum Abschluss noch ein Lied, das ganz offensichtlich nicht nur mich begeistert hat. Knapp 50 Millionen youtube-Aufrufe in gerade einmal 4 Wochen sprechen eine ziemlich deutliche Sprache. Jeder hats gesehen, jeder spricht darüber, jeder ist begeistert. Aus dem großartigen Song Somebody That I Used To Know von Gotye eine noch bessere Coverversion zu machen, ist schon eine kleine Sensation. Walk Off The Earth ist dies gelungen. Das Ganze dann aber mit 5 Leuten auf einer einzigen Gitarre zu spielen ist schlichtweg grandios. Believe the hype! Er ist verdient und angemessen. Hier klicken und begeistert sein. Begeistert insbesondere von dem Typen ganz rechts – der coolsten Sau des kurzen Jahres 2012. 4 1/2 Minuten lang keine Miene verziehen und alle Nase lang einmal – pling – die Saiten anzuschlagen zeugt von cojones!

Gelesen. Ich studiere Europäische Literatur. Erklärung genug? Nein? Okay, ich schreibe unglaublich gern über Bücher, die ich gelesen hab. Auch wenns niemand juckt! *** Es gibt Bücher, die stehen seit Jahren auf meiner imaginären „Books To Read As Soon As Possible“-Liste und trotzdem bin ich irgendwie nie dazu gekommen, sie zu lesen. Wir lernen: 1. Ich habe imaginäre Listen im Kopf – immerhin keine echten Listen, die ich aufschreibe… 2. Diese Listen verfasse ich anscheinend auf Englisch. Ganz oben auf dieser Liste stand seit Ewigkeiten The Catcher In The Rye, eines dieser Bücher, von denen man schon eine gewisse Vorstellung hat, bevor man sie tatsächlich selber gelesen hat. Diesen Monat kam ich endlich dazu, meine Liste abzuarbeiten und das Warten hat sich gelohnt. Bin ich normalerweise sehr skeptisch gegenüber Jugendsprache, Slang oder sonstiger Vergewaltigung der geschriebenen Sprache, war ich von der Umsetzung in J.D. Salingers Kultroman sehr angetan. Der Ich-Erzähler Holden Caulfield mit seiner depressiven Grundstimmung und den maßlosen Übertreibungen wirkte auf mich sehr überzeugend. Ein weiterer imaginärer Haken auf meiner endlosen Liste. ☑ *** Der Januar war für mich ein bisschen der ultimative Sherlock Holmes Monat. (siehe unten) Nachdem ich mich von den moderenen Version ausreichend hatte berieseln lassen, wuchs in mir das Interesse am Originalstoff und so griff ich zu meiner Ausgabe von Sir Arthur Conan Doyles Geschichten, die ich vor Jahren von meinem Bruder stibitzt hatte. Die Erkenntnis: durchwachsen. Der Mann war eindeutig Vollprofi – also Doyle, nicht mein Bruder; die Tatsache, dass seine Stoffe noch heute als Vorlage für Film und Fernsehen dienen, spricht eigentlich für sich. Außerdem bin ich fasziniert davon, wie er jede Geschichte auf genau 25 Seiten zu Ende bringt. Andererseits ist es genau dieses abgeklärte, professionelle, das mich stört. Der Stil ist sehr nüchtern, viele Fälle lesen sich wie die Akten von Kriminalfällen. Das ist nicht jedermanns Bier, meines ehrlich gesagt auch nicht. Trotzdem Daumen hoch dafür, dass er uns Sherlock Holmes schenkte, der uns noch heute Unterhaltung und Zerstreuung bietet. ***  Zuletzt noch ein Buch, das ich für die Uni las. Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Darstellung des baltischen Adels im frühen 20. Jahrhundert jemals auch nur einen Rattendreck interessieren würde. Falsch gedacht. Eduard von Keyserlings wunderbarer Roman Abendliche Häuser hat mich eindeutig überrascht und gerade deswegen so begeistert. Der gute Mann kann eine tolle Atmosphäre erzeugen und schreibt ziemlich mitreißend schreiben. Zu Unrecht in Vergessenheit geraten, genau wie die famosen Namen seiner Charaktere – Fastrade, Bolko und Siegwarth. Ich taufe meinen ungeborenen Sohn schon jetzt auf den Namen Bolko Nolde!

Gesehen. Ich bin ein Fuchs. Ich nannte diese Kategorie bewusst nicht „Geschaut“ denn so kann ich im Notfall – wenn ich mal keine aufregenden Filme oder Serien sah – auch schreiben: „Diesen Monat sah ich die zugefrorene Lahn.“ Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss… *** Ich finde es gibt schlechtere Starts ins neue Jahr als diesen: den gesamten 1. Januar verkatert zu zweit im Bett zu liegen und eine DVD-Box zu schauen. Besonders wenn es sich bei der Box um die erste Staffel von Six Feet Under handelt. Diese HBO-Serie wollte ich auch schon seit Ewigkeiten schauen und erneut hat sich das Warten gelohnt. Ausgestattet mit schwarzem Humor, überzeugenden Charakteren und definitivem Suchtpotenzial. Die erste Staffel war etwa am 3. Januar vollständig geschaut und ich kann es kaum erwarten, endlich die restlichen 3 zu verschlingen. *** Angefangen hat mein inoffizieller Sherlock Holmes Monat mit einem Kinobesuch der neuen Hollywood-Verwurstung. Ich fand den ersten Teil gut, wenngleich übertrieben. Der zweite ist noch übertriebener und meiner Meinung nach dementsprechend noch besser. Trotz ‚historischem‘ Setting knallte, explodierte und krachte es alle Nase lang. Da wurde verfolgt, geprügelt und sich gegenseitig beschossen. Die Dedektivarbeit gerät dabei ein bisschen in Vergessenheit, aber ich finde Hollywood darf das hin und wieder, wenn dabei ein so unterhaltsamer Film herauskommt. Außerdem finde ich Robert Downey Jr. als Holmes ziemlich passend und freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung, die man sich klugerweise von Seiten der Macher offenhielt. *** Ganz anders als die neuen Filme kommt da die BBC-Serie Sherlock daher. Im modernen Gewand zwar, aber mit einem stärkeren Fokus auf die Holmes‘ Kombinationsgabe. Statt Dinge in die Luft zu jagen spielt Benedict Cumberbatch alias Sherlock lieber mit seinem Smartphone, während Watson in seinem Blog die Fälle dokumentiert. Das Konzept klingt gewagt, funktioniert aber wunderbar. Die Serie macht Lust auf mehr und der einzige Nachteil bleibt die magere Anzahl von 3 (zugegeben sehr langen) Episoden der ersten Staffel. In meinen Kopf bekommen muss ich auch noch die Tatsache, dass Martin Freeman gleichzeitig Dr. Watson und Bilbo Beutlin ist. Verrückte Welt!

Gelernt. Jeden Tag lernt man neue Dinge. Manche sind nützlich, andere vollkommener Unsinn, den kein Mensch braucht. Ich möchte meine Erkenntnisse teilen, schrecke dabei jedoch keinesfalls davor zurück, beide Kategorien zu bedienen. *** Es ist sehr einfach, sich in Menschen zu täuschen. Man kann versuchen, sie innerhalb eines halbstündigen Gespräches kennenzulernen, aber am Ende kann es dann trotzdem passieren, dass man plötzlich mit einem schweigsamen Faulenzer seine Wohnung teilt, der nichts besseres zu tun hat, als die Bude trotz vorheriger Absprache vollzuqualmen und sich im Allgemeinen astrein durchzuschnorren. Ins Detail zu gehen wäre müßig, aber es bleibt zu erwähnen, dass alle schlechten Dinge auch ihr Gutes haben. So dient der unliebsame Mitbewohner als Antrieb, den längst überfälligen Umzug in die Hand zu nehmen und man landet in einer tausend mal schöneren Wohnung. Somit wird der Fehlgriff in der Kategorie „aus Fehlern lernen“ verbucht und insgeheim – ganz leise, kaum hörbar – ein Dankeschön an den Unsympathen ausgesprochen. Danke für alles, ich hoffe wir sehen uns nie wieder! *** Die höchste Strafe, die jemals für das Herunterladen von Musik verhängt wurde, beträgt 1,2 Millionen US-Dollar. Das klingt nicht irre viel in einer Welt, in der täglich über milliardenschwere Rettungspakte und Millionen an Managerboni diskutiert wird. Bedenkt man aber die Tatsache, dass Otto Normalinternetpirat keine Millionengehälter verdient und die verklagte Dame lediglich 24 Songs herunterlud – ein Satz von 80,000 Dollar pro MP3 – dann hinterlässt diese Erkenntnis doch zumindest Stoff zum Nachdenken, wie ich finde. *** Last but not least möchte ich dem geneigten Leser eine neu gewonnene Erkenntnis nicht vorenthalten. Die Kombination von falschem Schnauzer und Polizeimütze ist denkbar schlecht. Jeder, ich wiederhole jeder, sieht damit automatisch aus wie ein Mitglied der Village People. Ungelogen!

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One Comment leave one →
  1. Anonymous permalink
    05/02/2012 8:10 pm

    Wir haben schon die neuen 3 Folgen von sherlock gesehen, die sind noch besser als die ersten 3! Insbesondere Hound of Baskerville war Super!

    Lg ralf

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