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Jedem Zauber wohnt ein Ende inne

25/07/2011

Bevor ich in die zu-Guttenberg-Falle tappe und eines Tages die Plagiatsvorwürfe über mich hereinbrechen, sage ich es lieber gleich ganz offen: Der Titel dieses Artikels ist geklaut. Vor einigen Tagen tauchte er in der FAZ als Schlagzeile in Bezug auf den letzten Harry Potter Film auf und mir gefiel das so gut, dass ich mich spontan zum Schlagzeilenklau entschied. Das halte ich übrigens für vollkommen angemessen, denn diese Schlagzeile war so ziemlich das einzig Positive, das ich aus zwei Wochen Probeabo dieses konservativen Wirtschaftsblattes mitnehmen konnte. Das ist aber ein vollkommen anderes Thema; reden wir über Harry Potter. Also eigentlich rede ich.

Irgendwie war ja schon vorher klar, wie mein Urteil über den allerletzten Film aus der Reihe ausfallen würde. Es würde kitschig und pathetisch werden, darüber war ich mir im Klaren, aber trotzdem würde ich den Film mögen. Es ist eben einfach Harry Potter und man kann nicht anders. Darüber zu sprechen, dass man mit den Büchern gemeinsam groß geworden ist klingt irgendwie immer so platt und klischeehaft, aber das liegt vermutlich am hohen Wahrheitsgehalt dieser Aussage für so viele, zu denen auch ich mich dazuzähle. Ja, ich habe morgens den Briefträger mit dem neuen Harry Potter Buch erwartet und ja verdammt, ich habe diese paar hundert Seiten innerhalb kürzester Zeit verschlungen. Irgendwann kamen dann die Filme dazu und man konnte sich auf die jährlich gestaffelte Veröffentlichung verlassen und freuen. Ins Kino ging man dann in erster Linie, um sich nach dem Film darüber zu beschweren, was alles falsch umgesetzt, vergessen, überflüssigerweise hinzugefügt oder generell blöd gewesen war. Das hatte so gar nichts mit der eigentlichen Beurteilung dieser Filme zu tun, die man zumeist immer und immer wieder anschauen würde. Es gehörte sich einfach so, im Nachhinein erstmal ein bisschen zu motzen. In dieser Tradition möchte ich auch mit dem letzten Film gerne verfahren.

Die Handlung von Harry Potter und die Heiligtümer des Todes – Teil 2 lässt sich doch eher simpel zusammenfassen. Man kämpft gegen das Böse in Form von Lord Voldemort und seiner Anhänger. Erst indem man ein paar Rätsel löst und Horkruxe zerstört, dann persönlich im finalen Kampf auf Hogwarts, der sich über die Hälfte des Filmes erstreckt. Zwischendurch fallen sich vor allen Dingen die ‚guten‘ Charaktere der Reihe nach in die Arme und reden darüber wie tapfer sie sind und wie wichtig es ist zu kämpfen, während Lord Voldemort seine Schlange streichelt – nein, das war kein platter Wortwitz – und seine Gefolgsleute fies dreinschauen. Am Ende ist alles gut, auch wenn ein paar der Guten heldenhaft im Kampf gestorben sind. Ende. Aber man geht ja nun auch wirklich nicht mit der Erwartung ins Kino, sich vom Ausgang des letzten Harry Potter Films überraschen zu lassen, oder?

Über all die Kampfszenen, von denen der Film über lange Strecken dominiert wird kann man sich dann auch nicht beschweren. Die Macher wissen genau was sie tun und haben das nötige Geld um dies auch umzusetzen. Dass mir bei einigen der rasanteren Action-Szenen flau im Magen wurde, schiebe ich a) auf den Sitzplatz in der dritten Reihe, bei dem man förmlich an der riesigen Leinwand klebte und b) auf die ungesunde Menge alkholischer Substanzen, die ich am Vortag konsumierte. Ergo liegt die Schuld beim geschätzten Zuschauer, das heißt: mir, und nicht beim Film. Genauso unsinnig halte ich die seit Jahren währende Diskussion über die Kinderfilmkompatibilität der Filme. Mit der Figur Harry Potters sollte auch das Publikum herangewachsen sein. Die letzten paar Filme waren schon lange keine Kinderfilme mehr und Kinder sollten auch diesen Film nicht sehen, dessen dunkle Grundstimmung selbst mich manchmal unruhig zum Popcorn greifen ließ. Besonders nervenaufreibend waren für mich übrigens alle Szenen in denen die Fingernägel von Kobolden zu sehen waren – gruselig ohne Ende! Soll heißen: kein Kinderfilm, deshalb aber nicht negativer zu bewerten.

Womit wir auch schon beim großen Manko des Films wären: Kitsch. Allgegenwärtiger, sich ständig wiederholender und vollkommen überzeichneter Kitsch. Gefühlte 800 mal spricht irgendjemand davon, wie aufopferungsvoll der Kampf gegen das Böse geführt wurde, dass die Toten in den Herzen der Lebenden weiterleben und dass sich der Kampf trotz allem natürlich gelohnt hat. Aus allen Ecken werden fast vergessene – und zwar zu Recht vergessene – Charaktere hervorgezaubert, die noch einen dramatischen Auftritt geschenkt bekommen. Überraschend ist das nun nicht und im Prinzip sei es auch verziehen, da man diesen Pathos nach so vielen Jahren, in denen man sich an die Präsenz von Harry Potter und Co. gewöhnt hat, zum Abschied ja irgendwie sogar ein bisschen nachvollziehen kann. Blöd dabei ist nur, dass dieser dramatische Pathos eben nur eine handvoll Male funktioniert und für Gänsehaut sorgt, man aber am Ende nur noch lachen kann, über die Schlussszene, die dem unglaublichen Kitsch von J.K. Rowlings Epilog alle Ehre macht. Ein durchaus schlecht auf 20 Jahre älter getrimmter Daniel Radcliffe beugt sich zu einem Kind, dass gecastet wurde um haargenau so auszusehen wie er vor rund 10 Jahren. Als ob das nicht schlimm genug ist muss Harry seinen geklonten Sohn – der natürlich die Augen von Harrys Mutter haben wird – ansprechen, wie es realitätsnäher nicht sein könnte. „Albus Severus Potter. Du trägst die Namen von zwei ehemaligen Schulleitern von Hogwarts.“ „Schön und gut“ würde ein Kind außerhalb dieses Kitsch-Kosmos nun erwidern. „Trotzdem werde ich wegen meines absurd albernen Doppelnamens in der Schule ständig verhauen.“ Einzig die Tatsache, dass Rons Sohn namenstechnisch noch gestrafter ist und auf ‚Hugo‘ hört, wird in der Filmadaption unter den Tisch fallen gelassen. Und trotzdem: nachdem man herzlich über dieses kitschüberladene Ende gelacht hat und während man schmunzelnd das Kino verlässt denkt man doch ein bisschen wehmütig daran, dass man nächstes Jahr nicht ins Kino gehen wird, um Harry Potter zu schauen. Das ist zwar ein bisschen schade, aber auch gut so. Jedem Zauber wohnt ein Ende inne und es sei gehofft, dass dieses Ende nicht durch kommerzielles Ausschlachten auf irgendeine Art und Weise plötzlich doch noch hinausgeschoben wird.

PS: Ein bisschen schade, aber auch gut so ist übrigens auch, dass die Tour de France 2011 gestern zu Ende ging. Ein bisschen fehlen wird mir die alltägliche Berichterstattung auf Eurosport schon. Ich halte minutenlange Diskussionen darüber, ob es Radsportler mit Vollbart gibt, Nachforschungen ob der ehemalige Sportler XY heute tatsächlich einen kleinen Fahrradladen am Genfer See besitzt oder die Information, dass einer der Fahrer am Vortag seinem Teamkollegen einen Streich spielte, indem er dessen Handy auf chinesisch umstellte, für durchaus unterhaltsame Fernsehmomente. Selten bekommt man so viel unnützes Wissen präsentiert wie während der Tour und das wird mir ehrlich fehlen. Ein bisschen gut ist das aber auch, denn viel zu viele Stunden gingen in den letzten Wochen vor der Glotze flöten. Im Austausch für die Tour hätte ich dann übrigens auch gerne den Sommer wieder zurück; jetzt wo ich auch wieder Zeit dafür habe ihn im Freien zu genießen.

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