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Um die Welt in 80 Songs – Erstes Kapitel

05/06/2011

Ja, ich gebe es zu: Wenn es um Musik geht, dann kann ich ein furchtbarer Nerd sein. Während andere Menschen Musik einfach nur hören und mögen, habe ich Spaß daran, Stunden damit zu verbringen meine iTunes Bibliothek zu ordnen und zu pflegen oder meine persönlichen Charts auf Last.fm begeistert zu verfolgen. Ich kann nie genug Musik haben und bin ständig auf der Suche nach neuen Bands, um mich begeistern zu lassen. Musik ist meine Religion, sie verzaubert mich immer wieder aufs neue und nimmt mich mit auf Reisen an fremde Orte. Und als mir neulich mal wieder bewusst wurde, wie toll es ist, Musik aus verschiedene Ecken der Welt zu lauschen, war eine Idee geboren. 80 Songs aus allen Winkeln dieses Planeten wollte ich sammeln und mich mithilfe dieser Musik und Google Maps auf eine Weltreise begeben – der Finger auf dem Globus war gestern, das ist imaginäres Reisen, 21.-Jahrhunder-Style. Gesagt, getan. Das Resultat zwinge ich hiermit der Allgemeinheit auf. Sie, werter Leser, werden mit mir um die Welt reisen. Ob sie wollen, oder nicht. Los geht’s:

Wo kommt die Currywurst und wo kommt der Döner her? Also erzähl mir nicht, dass es woanders schöner wär. Damit ist der Startort unserer Weltreise wohl klar. In der Hauptstadt sollte es losgehen, alleine schon weil ich gefühlte 800 Lieder kenne, in denen Berlin besungen wird. Als perfekte Fremdenführer boten sich allerdings RotFront an, die uns nicht nur versprechen: Komm ich zeig dir Berlin, du verbringst deinen besten Tag in Berlin, sondern mit ihrer partytauglichen Mischung aus Balkanmusik und Reggae auch irgendwie wunderbar passen als Beginn für eine musikalische Weltreise. Das ist so paradox, dass es eigentlich nur gut sein kann und macht einfach wahnsinnig Spaß. Schweren Herzens verlässt man da nach einer wilden Party die Metropole und findet sich auf einmal mitten in Brandenburg wieder. Uff. Wenn man zur Ostsee will, muss man durch Brandenburg. Leider. Ganz so viel zu sehen gibt es hier ja nicht. Da stehn drei Nazis auf nem Hügel und finden keinen zum Verprügeln. Glücklich schätzen kann man sich da, wenn man mit Rainald Grebe bekannt ist, denn der kennt sich hier aus und gibt hilfreiche Reisehinweise. Nimm dir Essen mit, wir fahrn nach Brandenburg. Außerdem sollte man noch wissen, dass man in der Gegend um Neuruppin um alte Häuser lieber einen weiten Bogen macht, damit man  nicht K.I.Z. zum Opfer fällt, die dort jeden Sonntag einen Mord begehen. Sagt man. Gut, dass heute erst Samstag ist. Außerdem können wir uns ziemlich sicher fühlen, schließlich sind wir hier mit dem arbeitslosen Schustergesellen René verabredet, der heute zufällig mit dem Schwert nach Polen geht. Die Ärzte haben dieses Treffen ermöglicht und wir schließen uns René dankbar an, denn in seinem Kampfanzug und mit den Ninjasternen traut sich keiner an uns heran und wir gelangen sicher über die Grenze.

Zwar wird René schon 200 Meter hinter der Grenze von einer polnischen Streife aufgegriffen, wir können uns aber davonstehlen und weiterreisen. Und um der polnischen Polizei zu entkommen geht es in großem Tempo weiter und ehe man sich versieht sind wir im Baltikum angekommen. Man merkt, dass wir auch von Skandinavien nicht mehr weit entfernt sind, denn dort werden wir von der norwegischen Band Jaga Jazzist empfangen. Die sind nicht nur bekanntlicherweise eine wunderbare Liveband, sondern haben auch ein fantastisches Lied über Litauen geschrieben. Wäre dieses Lied ein Land, ich würde dorthin auswandern. Der Weg nach Skandinavien führt nun an der Ostseeküste entlang auch ein Stück durch Russland und eigentlich brauchen wir dafür ein Sondervisum und allerlei Papierkrieg steht uns bevor. Da lassen wir uns doch lieber von unseren Gastgebern Ленинград einschmuggeln ins ehemalige Leningrad, was übrigens auch die Übersetzung des russischen Bandnamens ist. Die sind nämlich eine extrem subversive Skapunkband, die sich in ihren Songtexten provokativ mit der russischen Gesellschaft auseinandersetzen und daher garantiert bereit, eiligen Reisenden Papierkram zu ersparen und eine ordentliche Partynacht in St. Petersburg zu garantieren. Glaube ich zumindest, schließlich weiß ich fast nix über diese Band, weil alle Infos im Internet verdammtnochmal auf Russisch sind.

Nach diesem abenteuerlichen Abstecher nach Russland wird es Zeit, in Skandinavien anzukommen. Wo könnte man besser Entspannung suchen als hier? Pony trekking or camping / Or just watching TV. Monty Python wussten es schon: Finland has it all. Gelassen geht es quer durch die Wälder Finnlands und Schwedens, vorbei an wunderschönen Seen und Elchen am Straßenrand, bis wir an den Fjorden Norwegens erstmals auf den Atlantik stoßen. Bevor wir in See stechen wärmen wir uns aber gemeinsam mit Beach House in einer Holzhütte auf und genießen die Gastfreundschaft der Norweger. You let us in the wooden house / To share in all the wealth. Träumerische Popmusik, die passender nicht sein könnte. Am nächsten Morgen stechen wir zum allerersten Mal in See und segeln in Richtung Norden. Eine Seefahrt die ist lustig und schlappe 30 Stunden später erreichen wir die wunderschönen Faröer-Inseln. Darüber, dass diese Inseln wunderschön sind und dass Teitur großartige Musik macht, die für mich wie Faröer in Musikform klingt, habe ich wohl schon genug geschrieben. Deshalb lieber weiter Richtung Nordpol, der knappen Zeit wegen vielleicht lieber mit dem Flugzeug. In Island machen wir unsere Skandinavienreise komplett und genießen ein letztes Mal die traumhaft schönen verschneiten Landschaften, während wir den atmosphärischen Klängen von Sigur Rós lauschen. Lieder, die Namen wie Með suð í eyrum tragen, können nur toll sein und einen passenderen Abschluss für den ersten Teil unserer Weltreise kann es kaum geben. Wer nicht versteht, wovon ich rede, sollte sich sofort ein Album dieser Band beschaffen, es sich anhören und dabei einen Reiseführer mit Bildern von Island durchblättern – imaginäres Reisen für alle. It’s cheap and it’s safe. Most doctors recommend it. True story!

PS: Alle Bands & Lieder: 1. RotFront: B-Style 2. Rainald Grebe: Brandenburg 3. K.I.Z.: Neuruppin 4. Die Ärzte: Mit dem Schwert nach Polen, warum René? 5 . Jaga Jazzist: Lithuania 6. Ленинград: И больше никого 7. Monty Python: Finland 8. Beach House: Norway 9. Teitur: The Girl I Don’t Know 10. Sigur Rós: Með suð í eyrum

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