Zum Inhalt springen

Pling! Crash! Ka-Ching!

03/04/2011

So richtig wusste ich zugegebenermaßen nicht was auf mich zukommen würde, als ich mich auf den Weg in Richtung Frankfurt machte. Jaga Jazzist kannte und mochte ich zwar schon seit einigen Jahren, hatte mir ihre Musik aber schon eine ganze Weile nicht mehr angehört, das neue Album hörte ich zum überhaupt ersten Mal auf der Zugfahrt. Als wir nach einem kurzen Zwischenhalt bei einem Restaurant für amerikanische Spezialitäten und Delikatessen im Hauptbahnhof dann schließlich vor dem Club ankamen, in dem das Konzert stattfinden sollte, war das dann auch erstmal eine kleine Ernüchterung. Der Eingang, bestehend aus einem etwas größeren Garagentor, war noch verschlossen und vor dem Club standen ca. 5 andere Personen, die auch den Fehler gemacht hatten, zu der Zeit aufzutauchen, die auf dem Ticket stand. Das war nicht besonders clever, denn es sollte noch eine ganze Weile dauern, bis das Konzert endlich anfangen würde. Immerhin konnte diese Wartezeit im Inneren des Clubs verbracht werden, der tatsächlich ein bisschen größer war als er von außen wirkte. Außerdem hatte ich so die Möglichkeit, sämtliche verschiedenen Biersorten der Bar – es waren übrigens 3 – durchzuprobieren und zu der Erkenntnis zu gelangen, dass es hier kein wohlschmeckendes Bier im Angebot gab. Für weiteren Zeitvertreib sorgte das leider unlösbare Rätsel „Zähle-die-Instrumente-auf-der-Bühne“ oder das Beobachten des – zum Teil doch sehr amüsant aussehenden – Publikums unter das sich zwischenzeitlich sogar die Bandmitglieder mischten. Originalton: „Du, gerade ist die halbe Band an uns vorbeigelaufen!“ „Echt, ich würde die gar nicht erkennen.“ „Ich eigentlich auch nicht, aber die hatten alle Bärte, das muss die Band gewesen sein.“

Und es war tatsächlich die Band. Nach einer gefühlten Ewigkeit Wartezeit bequemten sich die Norweger dann tatsächlich einmal auf die Bühne, was ehrlich gesagt keine leichte Aufgabe war. Diese war nämlich zum einen nicht sehr groß, zum anderen war der wenige Platz so randvoll gestellt mit Instrumenten, passender bunter Bühnendeko zum Thema des neuen Albums ‚One Armed Bandit‘ und Dingen, die sowohl das Eine als auch das Andere hätten sein können, dass es kaum möglich schien auch noch 9 Musiker dort unterzubringen. Es war jedoch möglich, denn nun betraten 8 Waldschrate und eine schwangere Frau die Bühne und von da an gab es eine Zerreißprobe für die Trommelfelle. Es ist schon ziemlich beeindruckend anzusehen wie neun Menschen auf einer winzigen Bühne stehen, zusammen Musik machen und dabei perfekt harmonieren, obwohl sie teilweise während eines Songs die Instrumente wechseln wie andere Leute ihre Unterwäsche. Zu Beschreiben, wie beeindruckend das aber fürs Gehör ist, ist meiner Meinung nach fast unmöglich. Da stehen diese Kerle (und eine Dame) auf der Bühne, die Rockstars nicht viel unähnlicher sehen könnten mit ihren Holzfällerhemden, struppeligen unmodischen Frisuren und langen Bärten, aber wenn sie dann anfangen, zusammen Musik zu machen ist das alles vergessen. Drummer Martin Horntveth prügelt geradezu auf sein Schlagzeug ein, steht zwischendurch auf, verliert einen Stick, der durch die Gegend fliegt und spielt kurzerhand mit einer Hand weiter. Sein Bruder Lars spielt Saxophon, lässt es sich dann während der Songs umhängen, um auf die Klarinette umzusteigen oder auf einer Gitarre, die vor ihm auf einem Tisch liegt, weiterzuspielen. Der Trompeter, der vielen Songs ihren besonderen Klang gibt, spielt außerdem noch Keyboard und Kontrabass und Line Horntveth, die einzige Frau in der Besetzung, vertreibt sich mit Percussion und lautmalerischem Gesang die Zeit, wenn sich nicht gerade volle Kanone in ihre Tuba trötet. Dazu kommt einen wilde Lightshow, die die bunte Bühnendeko so richtig zur Geltung bringt und man weiß eigentlich nie so genau, wo man als nächstes hingucken soll.

Es folgen gute eineinhalb Stunden feinster, perfekt aufeinander abgestimmter, teilweise ein bisschen zu sehr ausufernder Songs und sowohl Ohren als auch Augen kommen definitiv auf ihre Kosten. Es ist auf jeden Fall ein besonderes Konzerterlebnis und für die einzigen negativen Punkte des Abends kann die Band fast nichts. Ihr Publikum können sie sich schließlich nicht aussuchen und dass wir hinter den größten Idioten weit und breit standen ist unsere eigene Schuld. Dafür, dass der letzte Zug nach Marburg nun mal irgendwann fährt können sie auch nichts, hätte die Band allerdings nicht erst anderhalb Stunden nach Einlass angefangen zu spielen, dann hätten wir nicht in der Mitte des Konzertes aufbrechen müssen, wodurch wir die Zugabe mit einigen meiner Lieblingslieder verpassten. Unfreundliche Frankfurter S-Bahn Fahrer sind auch ein Problem, dass nicht auf Jaga Jazzist zurückzuführen ist. Und eindeutiger Verantwortlicher für das letzte Ärgernis des Abends ist die Bahn, die tatsächlich der Meinung ist, so lächerliche Orte wie Friedelhausen müssten um 1:40 unbedingt angefahren werden, damit unsere Rückfahrt noch länger dauert. „Für weitere Reisemöglichkeiten beachten sie bitte die örtlichen Lautsprecheransagen.“ Welche Reisemöglichkeiten man wohl in Friedelhausen um ein Uhr vierzig in der Nacht haben mag?

PS: Ein schönes Video, zwar nicht von dem Konzert in Frankfurt, aber ein gutes Beispiel für das bunte Treiben auf der Bühne.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: