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Aber hier leben, nein Danke!

28/02/2011

Eigentlich ist so ein Umzug doch was feines. Man bekommt Besuch, es wird gegessen, man entdeckt beim Abbauen der Möbel Dinge, die man seit Monaten gesucht hat und außerdem wird bei so einem Umzug standesgemäß Bier getrunken, das verlangt die Tradition. Behaupte ich zumindest. Leider war mein Leben bisher viel zu arm an diesem tollen Erlebnis und an den einen meiner bisherigen zwei Umzüge erinnere ich mich sowieso nur noch sehr dunkel. Gerade so habe ich noch das Bild vor Augen, wie ich damals den Bechstein-Flügel alleine auf dem Rücken transportierte. Ach, noch einmal jung und vital sein so wie 1989… Komisch nur, dass wir dann in unserem Haus nirgendwo einen Flügel stehen hatten. Jedenfalls sehnte ich mich nun einmal wieder nach Besuch, gemeinsamem Speisen und Biertrinken. Jetzt hätte man natürlich eine Party veranstalten können, aber diese tragen garnicht dazu bei, allte Büroklammern und Labelllostifte in Zimmerecken wiederzuentdecken, sondern sorgen eher für Pappbecher unterm Bett und Erdnussflips im Blumentopf. Von daher war es nur noch eine Frage der Logik: ein Umzug musste her.

Das Schöne an so einem Umzug innerhalb einer Stadt, die noch dazu so lächerlich klein ist wie Marburg, ist ja, dass man sich diesen lästigen Zeitaufwand spart, um von der alten in die neue Behausung zu gelangen. Das ist schön, denn Autofahren macht müde. Außerdem bleibt so mehr Zeit, für die wichtigen Dinge des Umziehens. Essen zum Beispiel. Denn ohne ein zünftiges Frühstück geht so ein Umzug einfach nicht. Im Anschluss wird ein halbes Stündchen geschraubt und geschleppt, bevor dann wieder Zeit für einen Snack ist. Dieser Vorgang wird sich ständig wiederholen. Später fügt man noch Biertrinken in diesen Kreislauf ein und schon hat man die Formel für einen erfolgreichen Umzug. Wichtig sind in dieser Formel schließlich noch die Variablen x und y, hinter denen sich Helfer verstecken sollten, die mehr Ahnung von Handwerkerei haben als die eigene Person und schon kann nichts mehr schiefgehen.

Erwacht man dann am nächsten Mittag leicht verkatert in einem Zimmer, dass nicht nur vollgestopft ist mit Umzugskartons und Werkzeug, sondern dessen frischaufgebautes Mobiliar über und über bedeckt ist mit Schnapsflaschen und Plastikbechern, dann hat man Gewissheit, dass es ein guter Umzug war. Man geht in die Küche und nimmt sich eine lapprige Waffel vom Stapel – denn natürlich gab es viel zu viel Essen am Vortag – und fängt an, sich Gedanken zu machen, wie man das neue Zimmer einrichten möchte. Die Katerstimmung ist längst verdrängt, denn man ist voller Ideen für die Ausgestaltung des neuen Wohnraums, an denen man sich erfreut. Vorher müssen halt nur noch rasch die halbvollen Pappbecher entsorgt und die Erdnussflips aus dem Blumentopf geklaubt werden. Alle anderen eventuellen Partyüberreste findet man ja dann spätestens beim nächsten Umzug.

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