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[ausgelesen] im September: Deutscher Schlager und andere Fundamentalisten

04/10/2010

Also das Prinzip ist im Prinzip ganz simpel zu verstehen. Ich lese gerne Bücher. So gerne, dass ich nun wohl Literatur studieren werde. Außerdem schreibe ich gerne. Zählt man nun 1 und 1 zusammen, ist es eigentlich nicht so abwegig, dass ich also auch ein bisschen herumblogge über den Kram, den ich so lese. Es geht also um Bücher, ob ich sie dufte oder doof finde, aber auch immer so ein bisschen auch übers Lesen an sich, Gott und die Welt & Dinge, die eigentlich keiner wissen will. So wie dieser ganze Blog quasi. Und los gehts genau jetzt mit dem, was ich so in den letzten 4 Wochen las. Yippie!

Gleich das erste Buch ist gar kein richtiges Buch, sondern nur ein halbes. Ein Bilderbuch. Man könnte auch sagen: ein Comic. Will man, dass es ein bisschen seriöser klingt, dann sagt man eine Graphic Novel. Und an Seriosität mangelt es dem Buch sicher nicht. Guy Delisle ist ein französischer Grafiker, der für ein paar Monate in Nordkorea gelebt und gearbeitet hat, und um seine Erlebnisse gehts in Pyongyang: A Journey in North Korea. Ich finde Graphic Novels relativ super, weil es zur Abwechslung zu „richtigen“ Büchern immer mal ganz angenehm ist, einen Comic zu lesen. Außerdem finde ich Nordkorea ziemlich spannend. Gute Vorraussetzung also und hohe Erwartungen, die das Buch zum Glück erfüllt hat. Der Zeichenstil ist schwarzweiß, simpel und angenehm, das Thema sowieso spannend. Anekdotenhaft bringt Guy Delisle den alltäglichen Wahnsinn im letzten großen unbekannten Staat der Welt auf den Punkt, erzählt von unglaublichen Zuständen und leistet mit seinem Buch quasi so etwas wie politische Bildung. Und das Ganze in einem Comic. Wie cool ist das denn?

Etwas schwerer tat ich mir dann mit  dem ersten Roman von Jonathan Safran Foer. Vielleicht hätte ich ihn nicht direkt lesen  sollen, nachdem ich zum zweiten mal die großartige Verfilmung von Everything is  Illuminated geschaut hatte. Der Film ist unterhaltsam und einer der wenigen Filme, die das  gewisse Etwas haben, von Anfang bis Ende so eine besondere Grundstimmung, die mich  begeistert hat. Das Buch hat diese Qualitäten teilweise auch, ist aber über weite Strecken so  voll von intellektuellem Anspruch, dass es doch ziemlich mühsam zu lesen ist. Der Wechsel  zwischen zwei Erzählperspektiven – eine in gebrochenem Englisch, eine in höchst  anspruchsvoller Sprache – ist keine schlechte Idee, aber in der Praxis irgendwie dann doch  nicht so wahnsinnig überzeugend. Ich sage das nicht gerne und erst recht nicht oft, aber  vielleicht doch lieber den Film gucken. Oder noch besser, einfach Foers zweiten Roman  lesen. Extremely Loud and Incredibly Close hat mir nämlich viel besser gefallen.

Auf meiner Suche nach etwas Neuem zu lesen begab ich mich dann in die Tiefen meines extrem chaotischen Buchregals und fischte ein Buch herraus, von dem ich erstmal gar nicht wusste, ob ich es schon gelesen hatte. Dass da ein Buch von Jürgen Kuttner herumlag, das noch ungelesen sein sollte kam mir seltsam vor, aber es schien so zu sein. Komisch, denn Jürgen Kuttner finde ich spitze, sein Sprechfunk bei Radio Fritz und ganz früher bei HR-xxl (kennt den Sender außer mir überhaupt noch jemand?) war wohl das Beste, was je im Radio lief und hier hielt ich so ziemlich sein erstes Buch in den Händen. Die Geburt des Radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers sprang mir der Titel entgegen. Klang nach Kuttner pur. So war dann auch das Buch. Totaler Nonsens gepaart mit immer wieder ernsthaften und detailverliebten Beobachtungen, ein bisschen wie Max Goldt – nur anders. Im Groben geht es um Fernsehen, Ost und West, Schlager und andere schlimme Dinge aus den Untiefen der deutschen Gesellschaft. Das ist zwar keine große Literatur, aber trotzdem unterhaltsam, auch wenn man sagen muss, dass Kuttner im Radio besser ist als Kuttner auf Papier, da er erst dann seine Qualitäten zeigt, wenn er spontan sein kann, und das ist eher schwierig beim schreiben eines Buches – möchte ich mal behaupten.

Beim Thema radikaler Islamismus blieb es dann auch. Und bei nicht besonders hohen  literarischen Ansprüchen. Aber auch einem angehenden Literaturstudenten sei es  vergönnt, ab und zu ein bisschen was leichtes zu lesen. Einen Krimi zum Beispiel. Hin und wieder eine schöne Geschichte mit einem Kommissar, der Verbrechen bekämpft, ist schon was  Feines. Besonders wenn es sich um eine Reihe handelt, man mit den Charakteren vertraut  wird und es neben der eigentlichen Geschichte noch ein bisschen um das Privatleben des  Polizisten geht. So wie die Kommissar Kluftinger Romane von Michael Kobr und Volker  Klüpfel. Die bieten solide Krimigeschichten und einen Hauptdarsteller, dessen Blödheit  und Ignoranz irgendwie doch sympathisch ist. Genauso ist auch der vierte Teil der Serie.  In Laienspiel gehts um islamische Terroristen, die das Allgäu bedrohen, in dem  Kluftinger lebt. Das Privatleben des Kommissars bietet wie immer Stoff zum Schmunzeln.  Unterhaltsame Krimi-Lektüre also.

Und Islam die Dritte. Diesmal aber mit ein bisschen Anspruch, bitte! Seit Ewigkeiten hatte ich dieses Buch schon im Schrank stehen, die Verfilmung habe ich nicht gesehen und weiß auch gar nicht ob ich das will, und trotz des großen Erfolges war ich irgendwie nie dazu gekommen The Kite Runner zu lesen. Das war allerdings ein Fehler, denn das Buch von Khaled Hosseini ist großartig. Es geht um eine Kindheit inAfghanistan, die Emigration nach Amerika zu Beginn der sowjetischen Invasion und schließlich eine Rückkehr im Jahr 2001, um mit der Vergangenheit abzuschließen. Es geht um Freundschaft, Klassenunterschiede im Afghanistan der 1970er, Vater-Sohn-Konflikte, Liebe, Tod, das Leben in einem fremden Land und die Rückkehr in ein vertrautes Land, das auf einmal fremd geworden ist. Besonders die Beschreibung der Kindheit in Afghanistan ist dabei faszinierend, aber auch die Beschreibung des Aufstiegs der Taliban aus Sicht der Afghanen. Der Erzählstil von Hosseini gefällt mir sehr gut, auch wenn man stellenweise doch am Überlegen ist, wie viel von der Geschichte des afghanischen Jungen, der in Amerika Romanautor wird, eigentlich Fiktion ist und wieviel Autobiographie. Auf jeden Fall lesen!

Und zum Schluss noch ein deutsches Buch. Hm. Irgendwie habe ich mir schwergetan  mit Und im Zweifel für dich selbst von Elsiabeth Rank. Junge deutsche Literatur, das  ist ja schon mal so eine Sache für sich. Andererseits ist es mir relativ egal, ob der Autor  männlich, weiblich, jung oder tot ist, solange ich ein Buch gut finde. Und eigentlich klang  das auch nach einem guten Buch. Es geht um junge Menschen, und wie man mit dem  plötzlichen Tod eines geliebten Menschen umgeht, der auf einmal die Ernsthaftigkeit des  Lebens deutlich macht. „Als sie plötzlich mit einem schrecklichen Verlust klarkommen  müssen, setzen sie sich ins Auto und fahren los, erst mal nur weg, kreuz und quer durchs  sommerlich heiße Mecklenburg, Hauptsache nicht zurück, denn zu Hause wird alles  anders sein. Doch am Meer geht es nicht mehr weiter, und Tonia, die Erzählerin,  begreift: So sehr man glaubt, die Welt bleibt stehen, es geht immer weiter.“ Das klingt  erstmal spannend, war es aber leider irgendwie nicht. Die Konzentration auf  Nebensächlichkeiten und detailverlbiebtes Schreiben finde ich normalerweise immer sehr  toll, aber bei diesem Buch fand ich es nur noch übertrieben und anstrengend. Irgendwie  schien mir die Autorin nicht auf den Punkt kommen zu wollen. Und dass das Ganze dann auch  noch ein „Generationenporträt und der Roman eines Lebensgefühls“ sein sollte, zeigt mir einmal mehr, dass man sich nicht auf den Mist verlassen kann, der auf Buchumschläge gedruckt wird. Im Zweifel also für sich selbst entscheiden und selber lesen.

Schöner Abschluss eigentlich.

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