Zum Inhalt springen

Coolste Sau Ever(ett)?

16/09/2010

Gäbe es eine Rock’n’Roll Hall of Fame für Geschichten, so wäre die nun folgende mit Garantie dabei. Es ist eine ganz kleine Geschichte, die ganz fern ist von Rockstartum und in der sich sogar der eine oder andere nicht-Rockstar wiederfinden wird, doch trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen ist diese Geschichte einhundert Prozent Rock’n Roll.

Der Hauptdarsteller ist Mark Oliver Everett, der Musikwelt auch besser bekannt als E. Zunächst muss man nun sagen, dass Mr. E der Frontmann, Sänger, Gitarrist, Keyboarder, Songschreiber und überhaupt das musikalische Genie hinter der Band Eels ist. Es wäre wohl nicht zu viel, zu sagen, Mark Oliver Everett ist Eels, oder Eels sind Mr. E.

Die Eels sind nun eine Band, die man als mündiger Musikhörer gefälligst super zu finden hat, denn wenn nicht, dan hat man keine Ahnung. Basta. Mr. E ist allerdings nicht nur ein großartiger Musiker und Songschreiber sondern unter anderem auch Bartträger. Und wenn ich Bartträger sage, dann meine ich auch Bartträger und rede nicht von ein bisschen juendlichem Flaum am Kinn. E’s Bart als beeindruckend zu bezeichnen wäre noch untertrieben.

Und da kommen die Menschen ins Spiel, die mit E zwar nicht den Rockstarstatus, aber eben die Gesichtsbehaarung gemeinsam haben. Auch ich bin in diesem Jahr für einige Monate meinem Rasierer untreu gewesen, was zur Folge hatte, dass ich mich eines Tages mit einem ganz akkzeptablen – wenn auch lächerlichen verglichen mit E’s Gesichtsfell – Bart in diversen Flughäfen vorfand, denn ich wollte große Entfernungen in kleiner Zeit zurücklegen – zu Ungunsten meines ökologischen Fußstapfens, der mittlerweile wie eine Dinosaurier-Fußabdruck aussehen dürfte.

Wer schon einmal mit einem Mehr-als-3-Tage-Bart im internationalen Flughverkehr unterwegs war, wird mir möglicherweise bestätigen, was eigentlich ein böses Vorurteil sein sollte. Gesichtsbehaarung scheint tatsächlich ein signifikantes Merkmal sein, dass Security-Menschen dazu führt, Probanden für ihre „zufälligen Bombenkontrollen“ auszuwählen. Ich wünschte, es wäre ein böses Klischee, aber dafür habe ich ganz einfach zu oft die Frage gehört: „Haben sie sich diesem Test schon einmal unterzogen, Sir?“ Und wer hat in diesem Moment schon die Cojones, zu sagen: „Ja Sir. Eigentlich erst heute morgen. Wissen sie ich habe lange Haare und einen Bart und ihre Kollegen wählen nach den gleichen Gesichtspunkten aus, wie Sie.“

Eben. Keiner sagt das. Und an dieser Stelle kommt nun wieder der Rockstar unter den Bartträgern ins Spiel. Mark Oliver Everett schlenderte irgendwann im Sommer diesen Jahres durch den Londoner Hyde Park, beobachtete vielleicht

ein paar Vögel oder wollte einfach ein bisschen abschalten vor einem Auftritt. Was genau er da wollte ist reine Spekulation und ist weder von Belang, noch hat es irgendwen eigentlich zu interessieren. Das sahen allerdings zwei übereifrige Staatsdiener ein bisschen anderes. Die beiden Uniformierten witterten vielleicht einen Karrieresprung, denn sie waren davon überzeugt, dass sie mit ihrem natürlichen Spürsinn soeben einen potentiellen Staatsfeind ausgemacht hatten.

Lange Rede, kurzer Sinn. Es folgte eine Polizeikontrolle an deren Ende sich der unbescholtene, jedoch bärtige Musiker auf einer Terror-Watchlist vorfand, da er einige Sekunden zu lange in Richtung eines Hotels – ergo vermeintlichen Anschlagziels – geblickt hatte. Dies ist an sich schon eine ziemllich erzählenswerte Geschichte, die jedoch dadurch erst so richtig Rock’n Roll wird, dass Mr. E eben das geschafft hat, was so viele sich verkneifen. Er lieferte eine schlagfertige Erwiderung, die der Situation so perfekt angemessen war, dass man nur seinen nicht vorhanden Hut ziehen kann.

Der mutmaßliche Terrorist Mark Oliver Everett erläuterte den eifrigen Polizisten ganz einfach salopp:

„You know. Some of us just like to rock.“

PS: Ich hätte dies unheimlich gerne als wunderschönes & effektvolles Schlusswort stehen lassen, aber mein Mitteilungsbedürfnis hält mich davon ab. Bei dem, was ich mal angeberische als Recherche zu diesem kleinen Artikel bezeichne, stieß ich auf den WBMA – für den Unkundigen: die World Beard and Moustache Association (Untertitel: Unite in Friendship and Honour). Und jetzt darf man dreimal raten, in welcher Bananenrepublik dieser großartige Verein gegründet worden ist…

2 Kommentare leave one →
  1. Ralf permalink
    16/09/2010 5:24 pm

    Ich liebe die Eels auch – und der Typ ist echt ne Granate…!

Trackbacks

  1. Hey Man (Now You’re Really Living) « Word Salad

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: